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Presseinformation

Wildkatze (Felis silvestris)
Die Wildkatze - Rückkehr auf leisen Pfoten?

Früher war die Europäische Wildkatze weit verbreitet. Heute ist sie in vielen Teilen Europas verschwunden, auch in Österreich gilt sie als ausgestorben. In letzter Zeit mehren sich jedoch Hinweise, dass die scheue Katze wieder ihren Weg in unsere Wälder findet.

Der NATURSCHUTZBUND setzt sich gemeinsam mit vielen Partnern dafür ein, dass die Wildkatze bei uns dauerhaft eine Zukunft hat - auch mit Ihrer Hilfe!

Mit Ihren Mäusen können wir der Wildkatze helfen!

Scheu ist sie, und lebt im Verborgenen: Tagsüber schläft sie meistens, nachts geht sie auf Jagd. Aber nicht nur deshalb hat kaum je ein Waldspaziergänger sie zu Gesicht bekommen: Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) zählt zu den am wenigsten bekannten Säugetieren überhaupt.

In Österreich gilt sie als regional ausgestorben bzw. verschollen. Schuld daran ist wie so oft der Mensch: Völlig falsche Vorstellungen über die Lebensweise der Wildkatze, tief verwurzelter Hass und falsch verstandene Hege führten zu ihrer gnadenlosen Verfolgung im 19. Jahrhundert und schließlich zu ihrer Ausrottung.

Etwas besser geht es der Wildkatze in Deutschland. Unsere Nachbarn verweisen nicht zuletzt aufgrund von Einbürgerungen und gezielter Schutzprojekte im Böhmerwald, Harz oder Pfälzer Wald stolz auf positive Bestandsentwicklungen. Immer öfter gibt es in letzter Zeit aber auch Anzeichen dafür, dass die scheue Katze sich Österreich wieder vorsichtig nähert. Im Kärntner Gailtal etwa wurde eine Wildkatze überfahren, im Waldviertel konnte gar eine lebende Wildkatze fotografiert werden und im Nationalpark Thayatal gelang jüngst der Nachweis von zumindest zwei Tieren - viel versprechende Hinweise, die Anlass zur Hoffnung geben!

Die Wildkatze hat besondere Ansprüche an ihren Lebensraum. Als "Grenzliniengänger" braucht sie große zusammenhängende Waldgebiete, aber auch kleine Lichtungen, im Wald verborgene Wiesen und Waldränder mit reichen Heckenstrukturen. Deshalb eignet sich die Wildkatze sehr gut als so genannte Leitart des Naturschutzes: Viele andere Arten wie z. B. Baummarder oder Haselhühner, Schwarzstorch und Rotwild profitieren davon, wenn sich die Wildkatze wieder heimisch fühlt.

Im Gegensatz zur Hauskatze, die vermutlich von den Römern aus Afrika mitgebracht wurde, ist die Wildkatze eine echte Europäerin. Die Unterscheidung von Wildkatze und Hauskatze ist aber nicht einfach - selbst für Experten. Insgesamt wirkt die Wildkatze wegen ihres dichteren dicken Fells kräftiger und größer. Typisches Merkmal ist auch der breite wuchtige Kopf, der dicke Schwanz mit schwarzen Ringen und schwarzem, stumpfem Ende, die fleischfarbene Nase und die verwaschen getigerte Zeichnung auf beige-grauem Grund.

Sichtungen alleine reichen also nicht zum eindeutigen Nachweis von Wildkatzen, hier ist die Verwechslungsgefahr mit der Hauskatze einfach zu groß. Eigentlich gibt es nur eine Möglichkeit, Wildkatzen eindeutig zu bestimmen: Mit Hilfe der "Lockstock-Methode" (mit Baldrian markierte Pflöcke, an denen sich die Katzen reiben) gesammelte Haare werden genetisch analysiert. Ihre Ähnlichkeit mit unseren Stubentigern kann den Wildkatzen leider auch zum Verhängnis werden, wenn sie mit wildernden Hauskatzen verwechselt werden. Hier tut Aufklärung dringend not.

Das Wildkatzen-Schutzprojekt von NATURSCHUTZBUND und Bundesforsten
Vor dem Hintergrund der aktuellen Wildkatzen-Nachweise in Österreich ist es nun an der Zeit, ihre tatsächliche Bestandssituation zu beleuchten und zu klären, ob und wie die scheue Waldkatze eine Zukunft in unseren Wäldern hat. Der NATURSCHUTZBUND hat deshalb mit den Österreichischen Bundesforsten als größtem Waldbesitzer unseres Landes ein Wildkatzen-Schutzprojekt gestartet. Er will dabei vor allem als Informations- und Vermittlungsdrehscheibe - im Speziellen für Landnutzer wie Förster und Jäger - auftreten.

Ein weiterer Projektpartner des NATURSCHUTZBUNDes ist der Tiergarten Wels, der in Zusammenarbeit mit der Universität Salzburg die potenziellen Habitate der Wildkatze in Österreich ermittelt hat. Ein Modell zeigt, wo noch geeignete Lebensräume für die Wildkatze vorhanden und wie weit diese vernetzt sind. Hier spielen Naturraumausstattung, Landnutzung, Schneela-ge und Größe der Gebiete eine Rolle. Wichtig ist auch, ob diese Flächen eine Anbindung zu bestehenden Populationen in unseren Nachbarländern haben. Die Ergebnisse zeigen, dass prinzipiell genug Wildkatzenlebensraum vorhanden ist. Viele der Gebiete sind aber stark zerschnitten, vor allem durch Verkehrswege.

Nun geht es darum, sich die geeignetsten dieser "potenziellen" Lebensräume genauer anzusehen, ob hier tatsächlich Wildkatzen vorkommen. Wenn der Nachweis gelingt, muss geklärt werden, ob es sich ausschließlich um "Irrgäste" aus den Nachbarländern handelt oder es noch kleine versteckte heimische Populationen gibt. Der erste Schritt wird hier die Sammlung und kritische Beurteilung von Sichtungen sein. Fragebögen für die Bevölkerung, eine enge Zusammenarbeit mit Jägern und Förstern sowie der Einsatz von Lockstöcken sollen weitere Antworten liefern. Sollten sich die Hinweise auf eine Restpopulation in Österreich wirklich verdichten, wird der NATURSCHUTZBUND Strategien (u.a. Biotopverbesserung, Artenschutz, Hege, gesetzliche Maßnahmen) erarbeiten, um die Wildkatzenpopulationen zu stabilisieren und nach Möglichkeit sogar zu vergrößern.

Besonders wichtig ist es aber auch, mit umfassender Aufklärung und Informationsarbeit den Boden für den Heimkehrer aufzubereiten. Wir möchten etwa die Akzeptanz der Wildkatze innerhalb der Jägerschaft vergrößern - es sollte für jeden Jäger etwas Besonderes sein, Wildkatzen in seinem Revier zu haben. Aus diesem Grund ist die Jägerschaft auch einer unserer zentralen Ansprechpartner, mit dem wir an einer gemeinsamen Strategie für eine Zukunft der Wildkatze in Österreich arbeiten.

Wir sind überzeugt, dass 50 Jahre nach Verschwinden der letzten Wildkatze die Chancen auf ihre Rückkehr gut stehen.

Mit Ihrer Hilfe rücken wir dem Ziel ein großes Stück näher!

Das Wildkatzenprojekt ist eine Kooperation von NATURSCHUTZBUND Österreich und den Österreichischen Bundesforsten unter Mitarbeit des Tiergartens Wels. Es wird gefördert vom Naturschutzzentrum, dem wissenschaftlichen Verein des NATURSCHUTZBUNDes.


Wildkatze © Herbert Grabe

Fauchende Wildkatze



Junge Wildkatze © Robert Hofrichter

Junge Wildkatze



Wildkatzen Tritt und Fährte

Wildkatzen-Fährte



Verbreitung der Wildkatze in Europa

Verbreitung der Wildkatze in Europa



Wildkatze © Robert Hofrichter

Wegen ihres Lebenraumes wird sie auch Waldkatze genannt





Der markante Schwanz ist ein wichtiges Erkennungszeichen


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