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| überLEBEN: Art des Bundeslandes Niederösterreich zurück zur Übersicht HOME Zieselkalender 2007 ![]() Download Bestellen |
Ziesel (Spermophilus citellus) Das Ziesel ist eine Charakterart steppenartiger Lebensräume in Ostösterreich. Niederösterreich beherbergt den größten Anteil der heimischen Population. Die anhaltende Gefährdung der Zieselbestände hat den NATURSCHUTZBUND NÖ zu einem Schutzprogramm in Niederösterreich veranlasst, dass 2005 gestartet wurde. Als faunentypisches Element der pannonischen Region kommt dem Erhalt des Ziesels hoher Symbolwert für den Schutz von Steppenlebensräumen zu. Kurzbeschreibung Das Ziesel ist ein hörnchenartiges Nagetier der Steppengebiete Osteuropas, das spätestens im Mittelalter in die neu entstandenen Kultursteppen des östlichen Mitteleuropas vorgedrungen ist. Ziesel bewohnen in baumarmen Grasländern Erdbaue im Kolonieverband. Die Zerstörung ihrer Lebensräume und die direkte Verfolgung haben zu einem großflächigen Verschwinden der ehemals weit verbreiteten Art geführt. Damit war auch ein Rückgang der wichtigsten Fressfeinde, wie Kaiseradler, Sakerfalke und Steppeniltis verbunden. Allgemeiner Steckbrief Verbreitung: Die Verbreitung in Österreich beschränkt sich weitgehend auf das pannonische Tief- und Hügelland. Aktuelle Vorkommen reichen im Westen von den äußersten Randlagen des Waldviertels, dem Raum Krems und dem westlichen Tullnerfeld ostwärts über das Weinviertel das Wiener Becken, das Neusiedler See-Gebiet bis ins Mittelburgenland in die Gegend um Deutsch-Kreuz. Auch wenn sich das Verbreitungsgebiet mehr oder minder gehalten hat, sind in den letzten Jahrzehnten die Vorkommen stark ausgedünnt. Großkolonien sind sehr selten geworden. Lebensraum: Die ursprünglichen Lebensräume des Ziesels stellen kurzrasige Bergwiesen der Balkangebirge dar. Von dort ist die Art in die pannonischen Grassteppen und später in die agrarisch geprägten Kultursteppen bis ins östliche Mitteleuropa eingewandert. Die Weide-, Mager- und Trockenrasen der Tief- und Hügelländer Ostösterreichs stellten die wichtigsten Habitate für die heimischen Zieselbestände dar. Die Beendigung einer extensiven Weidetierhaltung in den Tieflagen sowie Aufforstungen und der großräumige Umbruch von Wiesenflächen in Ackerland in den letzten vier Jahrzehnten haben zum Verlust der wichtigsten Zieselhabitate geführt. Heute sind die Zieselvorkommen auf die Reste ehemaliger Trockenrasen, wiesenartige Raine und Böschungen sowie auf Sekundärlebensräume, wie Sport- und Golfrasen, nicht befestigte Flugfelder, Kasernen- und Fabrikgelände zurückgedrängt. Zunehmend werden in den letzten Jahren Weingartenlandschaften besiedelt, sofern sie über regelmäßig kurz gehaltene Grünflächen (Einsaaten oder Spontanvegetation zum Schutz vor Bodenerosion) verfügen. |
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| Beschreibung: Ziesel sind flinke, etwa Wanderratten große Nagetiere mit gelbbrauner bis brauner Färbung. Kurze Ohren und Beine, große Augen und eine mäßig langer Schwanz prägen das Aussehen. Charakteristisch ist das "Männchen-Machen", das den Tieren eine bessere Übersicht und rechtzeitiges Erkennen von Gefahren, z.B. vor herannahenden Fressfeinden gewährt. Bei Gefahr geben die Tiere typische, laute Pfiffe ab. Bestimmungshilfe - Ähnliche Arten Flüchtende Ziesel können bei oberflächlicher Betrachtung mit Mauswiesel (Mustela nivalis) oder Hermelin (Mustela erminea) im Sommerkleid verwechselt werden, doch zeichnet diese bei genauer Betrachtung andersartige Färbung und unterschiedliches Verhalten aus. Schwieriger ist die Unterscheidung der Zieselbaue von denen des Feldhamsters (Cricetus cricetus), da sich die Eingänge (Löcher) recht ähnlich sein können und beide Arten mitunter nebeneinander vorkommen. Lebensweise und Biologie Ziesel bewohnen offene Lebensräume, die von einer niedrigen, gehölzfreien Grasvegetation geprägt werden. In der Kultursteppe werden derartige Flächen durch Beweidung oder Mahd regelmäßig kurz gehalten. Bevorzugt werden tiefgründige, selten oder nicht bearbeitete Böden, da Ziesel in selbst gegrabenen Erdbauen in Kolonien leben. Auch der Grundwasserspiegel muss daher tief liegen. Die Eingänge zu den etwa 1,5 m tiefen Bauen sind 5-7 cm breite, kreisrunde bis ovale Löcher, die in lockeren Gruppen angeordnet sind. Man unterscheidet Dauerbaue mit verzweigten Röhren, mehreren Eingängen und einer Nestkammer für den Aufenthalt, Aufzucht und Winterruhe sowie Schutzbaue, zumeist einfache Röhren, die als Fluchtraum und fallweise der Ruhe dienen. Ziesel sind tagaktive Tiere, die von Oktober bis März einen Winterschlaf halten. Von März bis Mai dauert die Fortpflanzungszeit, ab Juni erscheinen die ersten Jungtiere an der Erdoberfläche. Bei kühler Witterung und Regen verbleiben die Tiere generell in den Bauen. Auch in sehr heißen Tageszeiten sind die Ziesel kaum an der Oberfläche zu sehen. Ziesel fressen Samen, Blüten, Wurzeln und Zwiebeln verschiedenartiger Pflanzen, gerne diverse Gras-, Klee- und Luzernearten sowie Löwenzahn. Insekten, v.a. Heuschrecken und Käfer, nehmen unterschiedliche Anteile in der Nahrung ein. Wissenswertes und Hinweise Früher waren Ziesel in NÖ in so großer Zahl vorhanden, dass regional, wie etwa im Tullnerfeld, so genannte "Schwoaferlprämien" für jeden vernichteten Ziesel ausbezahlt wurden, um dem "Schädling" Herr zu werden. Wie populär die Art ehemals war, lässt sich auch am häufigen Vorkommen von Flurnamen, die "Ziesel" oder "Zeisel" beinhalten - z.B. Zeiselberg oder Zeisel-Au, erkennen. Doch ist nicht zwangsläufig ein (ehemaliges) Vorkommen des Ziesels damit verbunden, da sich derartige Namen z.B. auch auf den Zeisig (Erlenzeisig, Carduelis spinus) beziehen können oder andere Herkunft aufweisen. |
![]() Ziesel beim Männchen-Machen |
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| Gefährdung und Schutz Das Ziesel gilt in Österreich nach der aktuellen "Roten Liste" (2005) als stark gefährdete Art ("endangered"). Aufgrund des großräumigen Verlusts geeigneter Lebensräume sind viele Kolonien geschrumpft oder wegen einer fehlenden Anbindung an benachbarte Vorkommen erloschen. Durch zahlreiche, den Lebensraum zerschneidende Strukturen, wie Straßen und dicht verbaute Gebiete, wird der Austausch zwischen den Kolonien erschwert oder unmöglich gemacht. Zahlreiche Vorkommen in den verbliebenen Relikten von (Halb)Trockenrasen sind mangels Biotoppflege durch Aufkommen von höherer Vegetation (Verbuschung) vom Erlöschen bedroht. Kolonien auf Sekundärstandorten, v.a. auf Sportrasen, sind aufgrund einer konfliktären Nutzung durch den Menschen vereinzelt von "Bekämpfungsmaßnahmen" betroffen. Andererseits profitieren die Zieselbestände auf diesen Standorten auch von der regelmäßigen Pflege (Kurzhalten) der Grasvegetation. Das Ziesel ist eine Art des Anhanges II der FFH-Richtlinie der Europäischen Union. Dabei handelt es sich um "Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse, für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen". Zudem ist sie auch im Anhang IV gelistet und damit eine "streng zu schützender Tierart von gemeinschaftlichem Interesse". In den drei Bundesländern mit Zieselvorkommen findet sich die Art jeweils in speziellen Schutzverordnungen. In Niederösterreich finden sich die Hauptvorkommen in der Weinbaulandschaft um Krems, in der Kultursteppe im nördlichen Marchfeld im Übergang zum Weinviertel, im Arbesthaler Hügelland sowie in reliktären Steppenrasen im Raum Wiener Neustadt. Gut bekannt ist das Vorkommen auf der Perchtoldsdorfer Heide im Nahbereich der Großstadt Wien. Einige nach Westen vorgeschobene Randvorkommen im östlichen Waldviertel (Horner Becken) sowie im Traisental bei St. Pölten konnten aktuell nicht mehr bestätigt werden. Neben dem internationalen Schutzstatus wird das Ziesel in Niederösterreich auch durch die Artenschutzverordnung des Landes (August 2005) geschützt. Das vom NATURSCHUTZBUND NÖ 2005/06 durchgeführte und durch die NÖ Jägerschaft sowie den NÖ Landschaftsfonds geförderte Projekt hat schwerpunktartig eine Erhebung des Zieselbestandes sowie die Umsetzung empfohlener Schutzmaßnahmen in diesem Bundesland zum Inhalt. Aufbauend auf die Ergebnisse der eigenen Erhebungen sollen konkrete Schutzmaßnahmen für gefährdete Zieselkolonien, eine Vernetzung von Ziesellebensräumen und entsprechende Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt werden. Ein Monitoring mit Hilfe von Fachleuten und eingeschulten Laien wird aufgebaut. Als Partner für die Aktivitäten werden der NÖ Landesjagdverband, die Säugetiersammlung am Naturhistorischen Museum Wien (Dr. B. Herzig), die Naturschutzabteilung des Amts der NÖ Landesregierung sowie private Sponsoren angesprochen. Für die Bearbeitung artenschutzrelevanter, wissenschaftlicher Fragestellungen soll die Mitwirkung von Fachleuten der Universität Wien erreicht werden. Text: Hans-Martin Berg & Margit Gross Literaturhinweise Spitzenberger, F. (2001): Die Säugetierfauna Österreichs. Grüne Reihe BMLFUW, Band 13, Wien. Spitzenberger, F. (2005): Rote Liste der Säugetiere Österreichs (Mammalia). In: Zulka, K. P. (Red.): Rote Listen gefährdeter Tiere Österreichs. Grüne Reihe BMLFUW, Band 14/1, Böhlau Verlag, Wien, Köln, Weimar, 45-62. Spezielle Situation der Art im jeweiligen Bundesland (Verbreitung, Gefährdung, Häufigkeit, Sonstiges) |
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Steckbrief als pdf-Datei |
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| Sie haben diese Art gesehen oder wollen noch mehr über sie wissen? Auf www.naturbeobachtung.at können Sie Ihre Beobachtungen eintragen, mit anderen über die Arten diskutieren oder auch einfach nur nachschauen, wo welche Art schon gefunden wurde. |
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| NATURSCHUTZBUND Österreich 5020 Salzburg, Museumsplatz 2 T ++43-662-64 29 09 F ++43-662-64 37 344 bundesverband@ naturschutzbund at www.naturschutzbund.at |
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