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Ausstellung „Mythos Wasserkraft“

03.05.2011 NATURSCHUTZBUND Salzburg von Alexander Maringer (0 Kommentare)

WWF und NATURSCHUTZBUND fordern: Aus für das Kraftwerk Stegenwald

Mythos Wasserkraft - Ausstellung an der Salzach ©WWF
Wanderausstellung „Mythos Wasserkraft“ an der Salzach

Wasserkraft ist sauber, klimaneutral und macht Österreich unabhängig von Kohle und Atom. Kaum eine Energiequelle hat ein besseres Image. Erst auf den zweiten Blick wird deutlich: Wasserkraftwerke jeder Art bedeuten massive Eingriffe in die Natur, tragen zum Artenschwund bei und verschlechtern die Ökosystem-Dienstleistungen gesunder Flüsse. Die Ausstellung „Mythos Wasserkraft“, die bis zum 13. Mai durch Österreich tourt, will die Wasserkraftdiskussion auf die fachliche Realität zurückholen und zu einer nachhaltigen Energiediskussion beitragen.

 

Mythos: Wasserkraftausbau macht uns energieautark

Österreichs Stromhunger kann durch Wasserkraft nicht gedeckt werden, wenn der Verbrauchszuwachs von derzeit zwei Prozent pro Jahr weiterhin alles auffrisst. „Wir sind nicht gegen den weiteren Ausbau der Wasserkraft, aber er muss mit Maß und Ziel erfolgen“ erklärt Christoph Walder vom WWF. „Sonst sind in ein paar Jahren die letzten Flüsse zerstört und das Energieproblem bleibt dennoch ungelöst“. Fakt ist, dass Österreich 2009 als Teil des europäischen Strommarktes mit rund 70.000 GWh gleich viel Strom erzeugt wie verbraucht hat.

Mythos: Wasserkraft ist eine umweltfreundliche Energiequelle

Österreichs 4.034 Wasserkraftwerke haben unsere Fließgewässer bereits massiv beeinträchtigt. 70 Prozent der heimischen Flüsse und Bäche liefern schon Strom. Ihr Wasser ist zwar sauber – aber Gewässergüte, Grundwasserqualität und Selbstreinigungskraft laufen Gefahr, ins europäische Schlussfeld abzurutschen. Mit der Degradierung der Flüsse geht die Zerstörung ihrer Auen als wichtige Lebensräume bedrohter Arten und als Retentionsraum im Hochwasserfall einher. Wenn wir auch in Zukunft sauberes Trinkwasser wollen, müssen wir den Wasserkreislauf mit Flüssen, Seen, Feuchtgebieten und Grundwasserspeichern schützen.

Mythos: Saubere Wasserkraft ersetzt schmutzige Kohle

In den großen Pumpspeicherkraftwerken der Alpen wie Kaprun müssen riesige Wassermengen bewegt werden. „Mit billigem Atom- und Kohlestrom aus dem Ausland wird das Wasser in den Speichersee hinaufgepumpt und dann am nächsten Tag über die Turbinen als ‚sauberer Strom aus heimischer Erzeugung’ abgearbeitet – das reinste Greenwashing“, klärt Walder auf. Weil Pumpspeicherkraftwerke vor allem Spitzenstrom für den Export liefern, tragen sie auch kaum zu Österreichs Versorgungssicherheit bei.

Mythos: Small is beautiful – Kleine Kraftwerke sind unbedenklicher als Große

 Kleinwasserkraftanlagen mit einer Leistung unter zehn Megawatt haben auf Ökosysteme sogar schlimmere Auswirkungen als große. Das liegt einerseits an der großflächigen Auswirkung der zahlreichen Anlagen – derzeit etwa 3. 380 – auf die Natur, und andererseits an der geringen Energieausbeute im Vergleich zum Gewässerverbrauch von etwa 200 Metern pro Gigawattstunde und Jahr. Kleine Kraftwerke zerstören demnach für die gleiche Energieausbeute im Vergleich bis zu acht Mal mehr Flussnatur als Großkraftwerke.

Lösung: Nicht mehr erzeugen, sondern intelligenter verbrauchen

Der in der Energiestrategie Österreichs angestrebte Ausbau der Wasserkraft um sieben Terrawattstunden bis 2020 deckt nur den Verbrauchszuwachs, nicht jedoch den Gesamtbedarf an Strom ab. „Viel wichtiger als neue Kraftwerksbauten ist, endlich die riesigen Potentiale zu nutzen, die in der Energieeffizienz brachliegen“, erklärt Walder. In Einsparungen und der Nutzung und Förderung moderner technischer Lösungen etwa in den Bereichen Gebäudesanierung, Beleuchtung, Warmwasseraufbreitung und Verkehr liegt vier Mal mehr energetisches Potential als im Totalausbau der Wasserkraft.

Studie und Factsheet „Mythos Wasserkraft“ zum Download:

www.fluessevollerleben.at

 

Die Plattform Flüsse voller Leben setzt sich aus Vertretern unterschiedlicher Interessensgruppen zusammen  – der WWF, der Österreichische Fischereiverband (ÖFV), das Österreichisches Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz (ÖKF), kajak.at, der Alpenverein Edelweiss, der NATURSCHUTZBUND Österreich und die Naturfreunde Österreichs.

Wir arbeiten gemeinsam an der Erreichung eines Zieles – dem Schutz der letzten intakten Fließgewässer Österreichs vor uneingeschränktem Wasserkraftausbau.

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