2011: Eurasischer Luchs (Lynx lynx)

Tier des Jahres

Luchs, Bildautor: Robert Hofrichter
Luchs im Profil: Die Pinselohren sind deutlich erkennbar © Robert Hofrichter

Seit einigen Jahren hinterlässt der als ausgerottet gegoltene Luchs wieder seine Spuren in unseren Wäldern. Das Überleben der größten heimischen Katze ist bei uns aber langfristig nicht gesichert: Ein Großteil der Todesfälle in den ohnehin kleinen Luchspopulationen geht auf den Menschen zurück. Vorurteile und "Futterneid" führen zu illegalen Tötungen, andere Tiere fallen dem Straßenverkehr zum Opfer...


Verbreitung
Der Luchs bewohnt die Waldgebiete Eurasiens von Ostsibirien bis in die Pyrenäen, West- und Zentralasien. Er fehlt in den offenen Steppen sowie in den Tundragebieten. In Mitteleuropa sind stabilere Bestände nur noch in den Karpaten, dem Balkan und in Skandinavien zu finden. Bei uns wandert der Luchs nur allmählich und in wenigen Exemplaren wieder zu. In Österreich tritt er in zwei kompakten Verbreitungsgebieten auf: im Böhmerwald und im Freiwald, von wo sich die Luchsvorkommen in Richtung Donau ausbreiten. Zum Anderen in den Alpen, wo allerdings ein guter Teil der Population auf Wiederansiedlungsprojekte in der Steiermark zurückgeht, (auf der Turrach wurden zwischen 1976 und 1979 sechs Männchen und drei Weibchen freigelassen). Allerdings sind die Einzelindividuen hier stark zerstreut und so kann sich nur schwer eine überlebensfähige Population entwickeln.

Verbreitung des Luchses in Europa


Ähnliche Arten
Pardelluchs (Felis pardina): Meist kleiner und leichter als der Nordluchs, dem er verwandtschaftlich sehr nahe steht.
Er kommt in den Bergwäldern der iberischen Halbinsel vor, sowie im Mündungsgebiet des Guadalquivir (Cota Donana). Er verträgt viel mehr Wärme als der Nordluchs und bewohnt auch noch weniger bewachsene Gebiete. In den USA und Mexiko lebt der viel kleinere Rotluchs (Lynx rufus), in Kanada der Kanadaluchs (Lynx canadensis). Außerdem existieren weltweit noch etwa acht Unterarten.

 

Lebensweise und Biologie

Der Luchs bewohnt ausgedehnte Wald- und Buschgebiete vom Tiefland bis in Höhen über 2000 Meter. Außerhalb der Paarungszeit (Ranzzeit), welche von Februar bis April stattfindet, ist der Luchs ein Einzelgänger und braucht sehr große Reviere, je nach Nahrungsangebot zwischen 60 und 450 km². In der Regel kann bei uns von einer möglichen Reviergröße von einem Luchs pro 100km² ausgegangen werden. Der Bestand in ganz Österreich wird momentan auf 5-20 Tiere geschätzt. Er meidet Gewässer, kann aber durchaus schwimmen. Tagsüber sonnt er sich gerne auf Felsvorsprüngen oder auf Waldlichtungen. Meist ist er aber dämmerungs- und nachtaktiv. Wie alle Katzen ist der Luchs ein ausschließlicher Fleischfresser. Rehe gehören zu seiner Hauptbeute, aber auch junge und kränkelnde Hirsche. Er lauert ihnen an den Wechseln auf und tötet sie rasch durch einen Biss in die Kehle. Außer den Einstichen der Zähne am Hals sind höchstens noch leichte Krallenspuren an den Hinterläufen zu sehen. Auch kleineren Beutetieren bis hin zur Maus und Singvögeln ist der Luchs nicht abgeneigt. Wie alle Beutegreifer erfüllt der Luchs eine wichtige Funktion in der Natur, da er durch Selektion der Bestände zur Gesundung dieser beiträgt.

Bestimmungshilfen

Mit seinen langen Beinen wirkt der Luchs von der Seite fast quadratisch
Ausgewachsene Luchse können eine Kopf-Rumpflänge von 80-130 cm erreichen. Sie besitzen einen 20-25 cm langen "Stummelschwanz", der ein schwarzes Ende aufweist und erreichen eine Schulterhöhe von 55-70 cm. Weibchen haben im Durchschnitt ein Gewicht zwischen 16 und 24 kg, während die Männchen mit 20 bis 30 kg um einiges mehr auf die Waage bringen. Die Fleckung des Felles ist sehr unterschiedlich, die Grundfärbung reicht von Grautönen im Winter bis zu einer rötlichen Grundfärbung im Sommer. Charakteristisch für den Luchs sind neben dem ausgeprägten Backenbart bei manchen Exemplaren auch die markanten Pinselohren deren Haarpinsel eine Länge von 4 cm erreichen können. Der Luchs wirkt im Erscheinungsbild eher hochbeinig, in der Seitenansicht nahezu quadratisch. Die Beine, die einziehbare, an den Vorderläufen bis 4 cm lange Krallen besitzen, weisen besonders im Winter eine dichte Behaarung auf, die das Gewicht des Luchses auf 40 g Gramm je Quadratzentimeter dezimiert. Daher können sich Luchse auch bei dichter Schneedecke nahezu lautlos bewegen und sinken kaum ein.

 

Schutzstatus
In Österreich gehört der Luchs zu den jagdbaren, aber ganzjährig geschützten Tieren. Der Luchs wird im Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES geführt und in der Roten Liste gilt er als vom Aussterben bedroht. Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU (Anhang II und IV), Berner Konvention und Bonner Konvention unterstreichen weiter den hohen Schutzstatus des Luchses. Gefährdungsursachen sind Verkehr, Zerschneidung der Lebensräume und Wanderkorridore sowie illegale Bejagung. Sein Vorkommen ist in Österreich nur durch Nachbesetzung gesichert.

So gemütlich geht es Luchsen in Österreich nur selten - ihr Bestand ist nicht gesichert

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