2011: Eurasischer Luchs (Lynx lynx)
Tier des Jahres
Seit einigen Jahren hinterlässt der als ausgerottet gegoltene Luchs wieder seine Spuren in unseren Wäldern. Das Überleben der größten heimischen Katze ist bei uns aber langfristig nicht gesichert: Ein Großteil der Todesfälle in den ohnehin kleinen Luchspopulationen geht auf den Menschen zurück. Vorurteile und "Futterneid" führen zu illegalen Tötungen, andere Tiere fallen dem Straßenverkehr zum Opfer...
Verbreitung
Der Luchs bewohnt die
Waldgebiete Eurasiens von Ostsibirien bis in die Pyrenäen, West- und
Zentralasien. Er fehlt in den offenen Steppen sowie in den Tundragebieten. In
Mitteleuropa sind stabilere Bestände nur noch in den Karpaten, dem Balkan und
in Skandinavien zu finden. Bei uns wandert der Luchs nur allmählich und in
wenigen Exemplaren wieder zu. In Österreich tritt er in zwei kompakten
Verbreitungsgebieten auf: im Böhmerwald und im Freiwald, von wo sich die
Luchsvorkommen in Richtung Donau ausbreiten. Zum Anderen in den Alpen, wo
allerdings ein guter Teil der Population auf Wiederansiedlungsprojekte in der
Steiermark zurückgeht, (auf der Turrach wurden zwischen 1976 und 1979 sechs
Männchen und drei Weibchen freigelassen). Allerdings sind die Einzelindividuen
hier stark zerstreut und so kann sich nur schwer eine überlebensfähige
Population entwickeln.
Ähnliche Arten
Pardelluchs (Felis pardina): Meist kleiner und leichter als der Nordluchs, dem er verwandtschaftlich sehr nahe steht.
Er kommt in den Bergwäldern der iberischen Halbinsel vor, sowie im Mündungsgebiet des Guadalquivir (Cota Donana). Er verträgt viel mehr Wärme als der Nordluchs und bewohnt auch noch weniger bewachsene Gebiete. In den USA und Mexiko lebt der viel kleinere Rotluchs (Lynx rufus), in Kanada der Kanadaluchs (Lynx canadensis). Außerdem existieren weltweit noch etwa acht Unterarten.
Lebensweise und Biologie
Der Luchs bewohnt
ausgedehnte Wald- und Buschgebiete vom Tiefland bis in Höhen über 2000 Meter.
Außerhalb der Paarungszeit (Ranzzeit), welche von Februar bis April
stattfindet, ist der Luchs ein Einzelgänger und braucht sehr große Reviere, je
nach Nahrungsangebot zwischen 60 und 450 km². In der Regel kann bei uns von
einer möglichen Reviergröße von einem Luchs pro 100km² ausgegangen werden. Der
Bestand in ganz Österreich wird momentan auf 5-20 Tiere geschätzt. Er meidet
Gewässer, kann aber durchaus schwimmen. Tagsüber sonnt er sich gerne auf
Felsvorsprüngen oder auf Waldlichtungen. Meist ist er aber dämmerungs- und
nachtaktiv. Wie alle Katzen ist der Luchs ein ausschließlicher Fleischfresser.
Rehe gehören zu seiner Hauptbeute, aber auch junge und kränkelnde Hirsche. Er
lauert ihnen an den Wechseln auf und tötet sie rasch durch einen Biss in die
Kehle. Außer den Einstichen der Zähne am Hals sind höchstens noch leichte
Krallenspuren an den Hinterläufen zu sehen. Auch kleineren Beutetieren bis hin
zur Maus und Singvögeln ist der Luchs nicht abgeneigt. Wie alle Beutegreifer
erfüllt der Luchs eine wichtige Funktion in der Natur, da er durch Selektion
der Bestände zur Gesundung dieser beiträgt.
Bestimmungshilfen
Schutzstatus
In Österreich gehört der
Luchs zu den jagdbaren, aber ganzjährig geschützten Tieren. Der Luchs wird im
Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES geführt und in der Roten Liste gilt
er als vom Aussterben bedroht. Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU (Anhang II
und IV), Berner Konvention und Bonner Konvention unterstreichen weiter den
hohen Schutzstatus des Luchses. Gefährdungsursachen sind Verkehr, Zerschneidung
der Lebensräume und Wanderkorridore sowie illegale Bejagung. Sein Vorkommen ist in Österreich nur durch Nachbesetzung gesichert.





