NATUR und Land - Heft Nr. 1/2-2006
Das Grüne Band Europa: von der Vision zur Realität




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Ingrid Hagenstein
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Inhalt:

"Schonzeit:" Das Grüne Band ist Europas. Vision des größten und längsten Biotopsystems der Welt
Fennoskandisches Grünes Band
Zentraleuropäisches Grünes Band
Südosteuropäisches Grünes Band
Jetzt ist es amtlich: Grünes Band Deutschland wird geschützt!
Focal Points Europas
Interreg IIB Cadses Projekt-Kurzbeschreibung

Grünes Band Österreich
Grünes Band - Infozentrum Leopoldschlag
Das Grüne Band hat viele Partner: Arge Naturschutz
Meilensteine des Grünen Bandes
Jane Goodall unterstützt Grünes Band
Slowenien plant Murkraftwerke
Resolution des NATURSCHUTZBUND zur geplanten Straßenverbindung Marchfeld Richtung Slowakei

Tagungseinblicke ÖNT in Orth/Donau:
Grünes Band-Mosaikstein im Biotopverbund Europa - von Johannes Gepp
Brückenbauen: Das Grüne Band als Marketinginstrument - von Alois Lang
Geschütztes.Besonderes.Bedrohtes. Naturvielfalt auf 1.300 km. - von P. Zulka, M. Tiefenbach, Hölzl, Banka)
Leben am Grünen Band: Zusammenfassung - von Walter Kofler
NATURSCHUTZBUND-Obleute am Grünen Band
Leben am Grünen Band-wo Fischotter und Wachtelkönig regieren: 4 Bildseiten
Grünes Band: Wanderkorridor für Wildtiere. Lebensraumvernetzung mittels Bärentunnel und Grünbrücken - von Friedrich Völk

Serie Rückkehr der Wildtiere: Der Braunbär - Keine Angst vor Teddy - von Robert Hofrichter
Gefährdet: Situation des Braunbären in Österreich. Kurzartikel aus Frankreich und Italien.

Jugendseite: Bär

Buchbesprechungen
Schriftenreihe



Natur und Land - Heft Nr. 1/2 2006

Natur&Land-Heft Nr. 1/2 2006:
Das Grüne Band

SCHONZEIT
Das GRÜNE BAND ist Europas Vision des größten und längsten Verbundsystems der Welt

Eine Kette von Biotopen entlang der Grenzen zum ehemaligen Ostblock bildet das GRÜNE BAND. Es zieht sich auf 6.800 km quer durch ganz Europa, vom Nordkap an der Barentsee bis zum Schwarzen Meer bzw. der Adria. Was die Menschen mehr als 40 Jahre in ihrer Freiheit einschränkte, verhalf der Natur zu einer Schonzeit, einer Verschnaufpause. Der ehemalige Eiserne Vorhang soll nun zu einem Europäischen GRÜNEN BAND werden, das als Linie des Lebens Ost und West verbindet.

Das GRÜNE BAND ist von Beginn an in seiner Existenz gefährdet – sei es durch Verkehrswege oder intensive landwirtschaftliche Nutzung. Aus diesem Grund initiierte die IUCN, The World Conservation Union, 2004 eine europaweite Kampagne, an der alle Staaten entlang der einstigen Grenze eingebunden sind. Sie baute dabei auf die jahrelange Vorarbeit des BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland auf. Dessen Engagement verdanken wir auch die Schirmherrschaft von Ex-Sowjetpräsident Michail Gorbatschow. Der NATURSCHUTZBUND arbeitet seit 2002 im Auftrag des Lebensministeriums aktiv an der Realisierung und Erhaltung des knapp 1.300 km langen GRÜNEN BANDES Österreich.

Zündende Idee
Schon bald nach der Öffnung der Grenzen 1989 nahmen sich der Bund Naturschutz Bayern, das Bundesamt für Naturschutz BfN und Euronatur als erste des innerdeutschen Grenzstreifens an, sodass das GRÜNE BAND Deutschland mit seinen 1.393 km und 177 km2 heute Vorbildcharakter hat. Auf diesem 50-200 m breiten Streifen hatten sich Biotope und Rückzugsräume von außergewöhnlicher Vielfalt entwickeln können. Das war bereits lange vor der Wende Naturschützern nahe des oberfränkischen Coburg aufgefallen: Als Mitte der 1970er der Schüler Kai Frobel bei seinen Naturbeobachtungen entdeckte, dass über 90 % aller Braunkehlchen unmittelbar in den Grenzanlagen lebten, war das der Beginn eines visionären Projektes. Das Bild vom balzenden Braunkehlchen auf einem Grenzpfosten wurde zum Symbol des Grünen Bandes und der verbindenden Natur. Heute ist der Geoökologe Frobel Leiter des Grünen-Band-Projektes beim BUND Naturschutz Deutschland. Ihm und seinen Mitstreitern ist es zu verdanken, dass 85 % des deutschen Bandes nicht durch Straßen, landwirtschaftliche Flächen und Grundstücksverkäufe zerschnitten sind.

Ausgehend von der 10-Jahres-Konferenz des BfN in Bonn 2003 und dem ersten Arbeitstreffen von Naturschutzexperten aus 17 Staaten 2004 im ungarischen Fertö-Hanság Nationalpark wurde die Initiative European Green Belt ins Leben gerufen.

Biotopsystem: ein Rückgrat quer durch Europa
Dass sich ein Schutzgebiet an das nächste reiht darf man sich allerdings nicht vorstellen - das ist nicht realisierbar und wird wohl eine Wunschvorstellung bleiben. Vielmehr sind es einzelne Schwerpunktgebiete - Perlen - mit unterschiedlichem Schutzstatus, die durch ungeschützte Naturbereiche als Verbindungskorridore miteinander vernetzt sind - ähnlich einer Perlenschnur. Es ist also besonders wichtig, gerade diese verbindenden Teile zu erhalten.

Um die Übersicht zu bewahren ist das GRÜNE BAND in drei Abschnitte unterteilt.

Im nördlichen fennoskandischen Abschnitt geht es um die Erhaltung großer alter Waldbestände. Dort besteht schon eine langjährige finnisch-norwegisch-russische Kooperation mit dem Ziel, Kernbereiche als Weltnaturerbe für die Nachwelt zu sichern. Auch die Küstenbereiche sind wertvoller Lebensraum besonders für Zugvögel.

Das fennoskandische Band spannt sich über 1.000 km entlang der Finnisch-Russisch-Norwegischen Grenze. Dieser 20-30 km breite Streifen beherbergt einige der letzten alten borealen Wälder - dichte Nadelwälder der Taiga und Waldtundra, wie nur auf der nördlichen Halbkugel zu finden sind. Durch den Kalten Krieg und die geringen wirtschaftlichen Aktivitäten blieben die Wälder in einem sehr ursprünglichen Zustand erhalten. Seit dem Ende der "Schonzeit" werden Teile der Wälder wirtschaftlich genutzt. Auch wenn einige Schutzgebiete eingerichtet werden konnten, ist mehr als die Hälfte dieser einzigartigen Landschaft bedroht.

Besondere Schätze beherbergt der westliche Rand der Eurasischen Taiga durch seinen Artenreichtum: Braunbär, Wolf, Ringelrobbe, Lachs und Taiga-Rentier, allesamt gefährdete Arten, zeugen vom außergewöhnlichen Lebensraum. Auch Zugvögel nutzen ihn zu tausenden. Zum Glück sind Russland, Finnland und Norwegen eine trilaterale Kooperation eingegangen, die die nördlichen Teile schützt. Weiter südlich soll bis 2015 ein Nationalpark entstehen. Diesen Abschnitt des GB darf man als Vorzeigeprojekt bezeichnen.

Im zentraleuropäischen Abschnitt durchquert das GRÜNE BAND vorwiegend Kulturlandschaften und verbindet vielerorts als einzige verbliebene naturnahe Struktur größere Kerngebiete: das Elbegebiet, den Harz, den Bayerischen und Böhmer Wald, die grenzüberschreitenden Nationalparke Thayatal-Podyji und Neusiedler See/Fertõ-Hanság.

Im südosteuropäischen Abschnitt liegt etwa die Hälfte der prioritären Gebiete für einen grenzübergreifenden Naturschutz am GRÜNEN BAND. Einige Projekte werden bereits umgesetzt, darunter besonders jene im Bereich bedeutender Gewässersysteme, wie das Drau-Mur-Flusssystem, der Skutarisee mit dem Bojana-Delta und die Prespa-Ohrid-Seen. Seit November 05 ist es nun amtlich: Albanien stellte das Gebiet vom Skutarisee mit Bojana-Delta (albanisch Shkodrasee) bis zur Adriaküste unter Naturschutz. Damit bleibt eines der schönsten Naturgebiete des Balkans mit knapp 500 km2, etwa der Größe des Bodensees entsprechend, als Arche Noah erhalten. Auf montenegrinischer Seite - das Gebiet liegt im Grenzbereich Albaniens und Montenegros - sind bereits weitere 400 km2 im Nationalpark Skutarisee geschützt. Die Weltbank wird für Schutzmaßnahmen 5 Mio. US$ investieren und es gibt bereits einen Tourismusmasterplan, in dem auch die Vermarktung bäuerlicher Produkte enthalten ist. Dieser Erfolg ist Euronatur zu verdanken: Die Organisation setzt sich seit vielen Jahren für Projekte und nachhaltige Entwicklung auf dem Balkan ein.

Ehrgeizige Vision mit internationaler Bedeutung
Als ein Symbol für Naturschutz und nachhaltige Entwicklung soll sich das längste und größte Verbundsystem der Welt durch Europa ziehen. Viele Gebiete des GRÜNEN BANDES dienen Zugvögeln als Rast- und Brutplätze oder sind Rückzugsraum für die wandernden Arten Luchs, Wolf, Bär und Fischotter. Eine der Visionen ist, dass es eines Tages zum Ausbreitungskorridor der großen Beutegreifer wird (siehe Beitrag Wildtierkorridore). Das GRÜNE BAND ist zudem ein ideales Projekt, mit dem internationale Schutzabkommen umgesetzt werden können, etwa das Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000, die Vogelschutz- und Habitatrichtlinie oder die Bonner Konvention.

Die Natur verbindet
Niemand muss befürchten, dass dieses Band eine neue Trennlinie zur Folge hat. Mit Ausnahme von besonders empfindlichen Biotopen wie Mooren oder Auwäldern soll der Mensch integriert sein, sollen Schulklassen und Wanderer die reizvollen Gebiete besuchen und genießen können. Wie überhaupt sich für den naturverträglichen Tourismus hier viele Zukunftschancen auftun - frei nach der Vision "Marke GRÜNES BAND". Diese muss allerdings erst von kreativen MarketingspezialistInnen geschaffen werden.

Daten und nochmals Daten...
Damit das Projekt realisiert werden kann und nicht jeder Staat sein eigenes Süppchen kocht, koordiniert die IUCN, hält ganz oben die Fäden zusammen und betreibt Lobbying auf europäischer Ebene. Das GRÜNE BAND soll zum ökologischen Rückgrat des europäischen Naturschutzes werden, wozu sie ein Arbeitsprogramm erstellte, das mit allen Beteiligten abgestimmt wurde. Es umfasst Ziele, Arbeitsstruktur, Zeitvorgaben und mögliche Finanzierungsquellen. Ergänzend dazu wurden nationale Ansprechpartner, sog. Focal Points in jedem Land ernannt (Liste), Anfang 2005 ein IUCN-Regionalbüro in Belgrad unter der Leitung des Projektkoodinators Alois Lang eingerichtet sowie eine Internetplattform (www.greenbelteurope.org) installiert.

Vorrangiges Ziel ist es, in jedem Land Daten zu sammeln, um eine gemeinsame Geodatenbank als fachliche Grundlage aufzubauen. Wenn geklärt ist, wie viel vom Grünen Band erhalten geblieben ist, können gezielt Schutzprojekte bei der EU beantragt werden. Hier kommt die Bedeutung der IUCN zum Tragen, denn ihre Lobbyarbeit auf EU-Ebene ist für Staaten wie Serbien oder Albanien mit ihren untergeordneten Naturschutzinteressen eine enorme Unterstützung. Sie verhilft nationalen Naturschutzorganisationen zu mehr Gewicht und kann den Widerstand vermindern helfen (Kasten 5).

Das GRÜNE BAND Österreich
Es zieht sich auf fast 1.300 km von Oberösterreich, Niederösterreich, Burgenland, Steiermark bis nach Kärnten. Neben den schon bekannten grenzübergreifenden Nationalparken Böhmerwald, Thayatal und Neusiedler See existieren viele kleine Natur-Kostbarkeiten entlang der Grenze. In den Auen der kaum regulierten tschechischen und slowakischen Grenzflüsse zu Bayern und Österreich tummeln sich Arten, die andernorts schon längst verschwunden sind - etwa die Urzeitkrebse an der March. Einzig die nach Überschwemmungen übrig bleibenden Wiesentümpel bieten diesen Groß-Branchiopoden oder Kiemenfüssern noch [...]

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Südosteuropäisches GRÜNES BAND

Autor: Martin Schneider-Jacoby

Bären am Adria-Strand, über tausend Paare Pelikane als Brutvögel am Prespa-See, Delfine, die 40 Kilometer den Fluss Bojana aufwärts schwimmen oder tausend rastende Löffler in den Donau-Auen - alles das bietet das GRÜNE BAND in Südosteuropa. Die Bemühungen von Euronatur um Schutz und Entwicklung dieser Kultur- und Naturlandschaften in Europa reichen bis in das Jahr 1990 zurück. Doch erst mit dem Start der Initiative "Grünes Band Europa" wurde 2004 damit begonnen, die einzelnen Naturparadiese gezielt zu vernetzen.

Schwerpunkt der Arbeit liegt dabei auf den Außengrenzen des ehemaligen blockfreien Jugoslawien mit seinen Nachbarländern Albanien, Bulgarien, Rumänien und Ungarn. Aber auch an der Grenze Griechenlands zu den nördlichen Nachbarstaaten Albanien, Bulgarien und Mazedonien (damals noch Teil des ehemaligen Jugoslawien) und der Türkei blieben große Sperrareale als Naturgebiete erhalten, so dass das GRÜNE BAND hier weit verzweigt ist. In Südosteuropa verbindet es die unterschiedlichsten Lebensräume miteinander – von unberührten Küstenzonen am Schwarzen Meer und der Adria, durch die Feuchtgebiete an den Flüssen Donau und Bojana, über alle große Balkanseen hinweg bis hin in die Hochgebirge des Prokletije-Massivs. Da keine größeren Städte an den früher streng bewachten Grenzen liegen, sind hier ideale Bedingungen für grenzüberschreitende Großschutzgebiete gegeben.

Seit 1990 hat Euronatur verschiedene Projekte initiiert, darunter die Ausweisung des Donau-Drau-Nationalparks in Ungarn im Jahr 1993, der über ein Biosphärenreservat mit der Steiermark als European Lifeline Donau-Drau-Mur vernetzt werden soll. Ebenso hat Euronatur 1995 mit dem Aufbau des Projekts Prespa- und Ohridsee im Dreiländereck Albanien, Mazedonien und Griechenland begonnen; inzwischen stehen große Teile der Seenregion als Landschaftsschutzgebiete und Nationalparke in Albanien unter Schutz. Auch das Bojana-Buna Delta mit dem Skutari-See zwischen Albanien und Montenegro gehört zu dem europaweiten Netzwerk.

Jüngste Euronatur-Projektinitiative ist der Aufbau eines Großschutzgebiets in den Bergen des albanisch-mazedonischen Grenzlandes, das auch dem Schutz des Balkanluchses dienen soll. Das Gebiet zählt noch zu den Hauptverbreitungsgebieten der stark gefährdeten Großkatze, so dass Schutz und Entwicklung der Region ausschlaggebend für den Erhalt der Art sind. Schwerpunkte des Projekts, das vom Bundesamt für Naturschutz finanziell unterstützt wird, liegen neben vorbereitenden Arbeiten zur Ausweisung des Schutzgebiets auf der Durchführung von Veranstaltungen, in deren Rahmen lokale Naturschützer vor Ort in den Bereichen Schutzgebietsmanagement und Luchs-Monitoring geschult werden.

Dr. Martin Schneider-Jacoby
Stiftung Europäisches Naturerbe - Euronatur
Konstanzer Str. 22, D-78315 Radolfzell
martin.schneider.jacoby@euronatur.org



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Jane Goodall unterstützt das Grüne Band!

Die weltbekannte Primatenforscherin und Friedensbotschafterin der UNO hat bei Ihrem Vortragsbesuch in Linz und Graz der Idee des Grünen Bandes ihre Unterstützung zugesagt.

Die Naturkundliche Station in Linz lud ein und Jane Goodall kam. Sie eröffnete am 2. März d. J. eine Ausstellung mit Bildern über Lebensweise, Sozialstruktur und Verhalten der Schimpansen von Gombe. Damit nicht genug, zog sie Kinder und Jugendliche bei zwei Schulveranstaltungen im Neuen Linzer Rathaus in ihren Bann, als sie über ihre Arbeit und die Bedrohung der Primaten erzählte.

Der Leiter der Naturkundlichen Station und Präsidiumsmitglied des NATURSCHUTZBUNDES, Dr. Fritz Schwarz, weckte das Interesse der Forscherin für das GRÜNE BAND. Spontan sagte Jane Goodall ihre Unterstützung zu. Als Beitrag spendete sie die Einnahmen – rund 4.000.- EUR – aus den Schulveranstaltungen an das NATURSCHUTZBUND-Projekt – damit wird noch diesen Sommer ein trilaterales Jugendlager in Leopoldschlag im nördlichen Mühlviertel veranstaltet. Jugendliche aus Bayern, Tschechien und Österreich werden eine Woche lang in und für die Natur am GRÜNEN BAND arbeiten, über das Projekt diskutieren und die Tier- und Pflanzenarten des Gebietes kennen lernen. In erster Linie dient das Projekt dem Kontakt über die (einst trennende) Grenze hinweg.

Nach Linz besuchte Jane Goodall auf ihrer Österreichtournee auch Graz, wo sie mit einer Naturschutzbund-Mitarbeiterin zusammentraf, um weitere Details zum GRÜNEN BAND zu erfahren. -HA-





Jane Goodall und Josef Limberger für das Grüne Band
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Leben am GRÜNEN BAND
Tagungszusammenfassung von NATURSCHUTZBUND-Vizepräsident Walter Kofler

Ich möchte für die Einblicke in ein Projekt danken, dessen Tragweite wir heute noch gar nicht abschätzen können. Hoffen wir, dass es uns gelingt, das aus dem Projekt herauszuholen, was potentiell drinnen steckt.

Es war sehr beeindruckend, an den unterschiedlichen Berichten zu sehen, wie leistungsfähig der Natur- und Umweltschutz entlang dieses Bandes quer durch Europa ist. Diese Leistungsfähigkeit gibt Hoffnung, Unglaubliches zustande bringen zu können. Unglaubliches im Hinblick darauf, dass es noch vor einiger Zeit für Natur- und Umweltschutzorganisationen als unerreichbar schien, sie aber inzwischen doch durchsetzen konnten. Wenn ich heute sehe, dass im Burgenland und der Steiermark wieder 40 ha Naturfläche unter Schutz gestellt worden sind, dann weiß ich, wie fast aussichtslos ein solches Unterfangen vor 20 Jahren gewesen wäre. Es hat sich in der Umweltschutzlandschaft Wesentliches verändert. Auch deshalb, weil ihr politischer Stellenwert, der zwar immer noch viel zu niedrig ist, doch deutlich höher ist, als wir gemeinhin annehmen. Und wir sollten nicht immer alles krank jammern, sondern mit dem vorhandenen Potential weiterarbeiten.

Ich bin sehr beeindruckt von den kulturellen Schätzen, die der Balkan uns bietet. Dieses GRÜNE BAND soll ganz Europa in einer vollkommen neuen Art verbinden, nicht nur den Naturschutz betreffend, sondern auch im Umgang mit Ressourcen. Wenn ich nun höre, dass auf dem Balkan eine Dimension eines GRÜNEN BANDES möglich ist, wie wir sie uns in Österreich nicht vorstellen können, dann möchte ich an unsere Verantwortung appellieren, auch entsprechende Rückendeckung zu geben. Doch es macht Sorge, dass oft nur dort, wo niemand hin durfte, weil die Menschen am Verlassen ihres Landes gehindert wurden, die Natur in einem Zustand geblieben ist, über den wir uns heute glücklich schätzen. Es hat mich tief beeindruckt, dass die Menschen vor Ort jetzt selbst die Erhaltung dieser Natur einfordern.

Wie wollen wir denn nun dieses GRÜNE BAND wirklich erhalten? Wo sollen die Kräfte herkommen? Ohne eine realistische Einschätzung wird die Entwicklung anders verlaufen, als wir sie uns wünschen.

Es ist also tatsächlich ein Biotopverbund GRÜNES BAND vorhanden. Und zwar nicht beabsichtigte Folge oft nicht wünschenswerter Nutzungsformen. Seine Zukunft wird davon abhängen, wie dieser Raum künftig genutzt wird. Wenn wir uns Gedanken machen, wie man bestimmte Bereiche in dieser Form erhalten kann, sind wir auch verpflichtet, zu überlegen, ob wir wirklich eine Käseglocke über dieses Band insgesamt stülpen wollen. Immerhin geht es um ein Band, das quer durch den Kernbereich Europas verläuft. Nur ein Viertel der gesamten Strecke ist geschützt - Bereiche mit besonders hoher ökologischer Wertigkeit. Wir sprechen also von aneinander gereihten, unterschiedlichen, schönen "Perlen". Der entscheidende Teil dazwischen, nämlich drei Viertel, sind aus Naturschutzsicht nicht gleich schützenswert wie die übrigen Flächen.

Was machen wir nun mit diesen Flächen dazwischen? Wir dürfen, wir können sie gar nicht weglassen, denn erst sie machen aus den "einzelnen Perlen" die wertvolle "Kette"! Das Beispiel Balkan zeigt, dass ökologische Brücken, z. B. für Bären und andere wandernde Tiere nachhaltig errichtet werden konnten. Die politische Bereitschaft scheint da zu sein, diesen Weg zu einer verantwortbaren Interessensverschränkung auszuweiten: "weil es ein interessantes Projekt ist, diese ökologische Brücke für die Lebewelt tatsächlich zu schaffen", wie einer der Vortragenden während der Tagung meinte.

Wie die gesamte wirtschaftliche Entwicklung weitergehen soll, ist eine Frage, der wir uns jetzt stellen müssen. Die Herausforderung dieses Projektes heißt nicht primär, nutzenswerte Bereiche maximal zu schützen. Die Herausforderung Europas liegt vielmehr in einer neuen Art von politischer Gesinnung, an die Entscheidungen der Zukunft heranzugehen. Gelingt es tatsächlich, den Gedanken der ökosozialen nachhaltigen Marktwirtschaft in alle Entscheidungen, die nicht so wertvollen Teile betreffend einfließen zu lassen, gelingt es auch, eine neue Art des Denkens in der Beziehung Mensch, Kultur, Natur umzusetzen. Und das ist die eigentliche Herausforderung für mich.

Wenn wir das nicht schaffen, wird die wirtschaftliche Entwicklung in eine ganz andere Richtung gehen. Die Annahme, es könnte ein GRÜNES BAND in der Form von heute erhalten bleiben, wäre naiv. Wir werden also sehr wohl auf dem Prüfstand stehen, ob es uns gelingt, eine politisch nachhaltige Entwicklung als politisches Gesamtkonzept durchzusetzen. Zum ersten Mal hat meines Erachtens die Natur- und Umweltschutzbewegung in Europa die Möglichkeit, an einem Strang zu ziehen und gemeinsam die "Leadership" für diesen Raum zu übernehmen. Es steht außer Diskussion, dass das GRÜNE BAND ein wünschenswertes Ziel ist - und es sind überraschend viele Mittel da.

Die Frage wird sein, in welchen Bereichen der Naturschutz absoluten Vorrang haben muss und in welchen Bereichen notwendige Nutzungen zugelassen werden sollen, um nicht dem Vorwurf ausgesetzt zu werden, den Todeszaun durch einen Naturschutzzaun ersetzen zu wollen. Dazu werden wir neue Strategien überlegen und neue Prioritäten setzen müssen. Das wird für manche Naturschützer eine schwierige Angelegenheit sein, da die eigene Position mitunter zurückzusetzen ist. Hier neue Maßstäbe anzulegen wäre unsere Aufgabe. Nützen wir sie, denn so schnell wird diese Möglichkeit nicht mehr kommen. Ich bin nicht froh, dass die Natur entlang des GRÜNEN BANDES deshalb so schön ist, weil sie so teuer bezahlt worden ist. Und es ist auch kein Grund zum Jubeln, dass die wesentliche Kraft zur Entwicklung neuer Schutzmöglichkeiten heute darauf beruht, dass die Landwirtschaft in sich zusammenzubrechen droht und wir aus diesem Grund eine Chance zum besser Verhandeln haben. Wir sollten versuchen, den ländlichen Raum in der Weise zu unterstützen, dass eine Umstrukturierung in angemessener Weise erfolgen kann.

Mit Ökotourismus alleine werden die ökologisch notwendigen Schritte nicht zu finanzieren sein. Im Hinblick auf ein GRÜNES BAND Europa müssen wir überlegen, den Begriff der ökosozialen Marktwirtschaft vom Grundsatz her zu erweitern. Mir macht das Wort "Wirtschaft" Probleme. Es geht hierbei eigentlich nicht um Wirtschaft, wie sie landläufig verstanden wird, sondern um Wirtschaft, wie sie die Volkswirtschafter verstehen, nämlich die immateriellen Werte. Ich glaube, dass unsere Überlegungen im kulturellen, sozialen, ökonomischen und ökologischen Bereich auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sein müssen, damit wir uns weiter entwickeln können und die Lebensqualität erhalten bleibt. Dazu hilft uns die politisch überraschend stark vertretene Idee der Europa verbindenden Brücke von Ost nach West, von Nord nach Süd, die wir mit diesem Band realisieren können. Nützen wir diese Möglichkeit!





GRÜNES BAND: Wanderkorridor für Wildtiere
Lebensraumvernetzung für wandernde Tierarten mithilfe von "Grünbrücken" und "Bärentunnel"

Das Österreichische GRÜNE BAND ist an seiner Nord-, Ost- und Südgrenze ein wichtiger Wanderkorridor für Rothirsch, Elch, Biber, Fischotter, Luchs, Braunbär und Wolf. Viele ihrer Wanderwege sind durch Autobahnen, Schnellstraßen und Eisenbahnlinien unterbrochen. Je weniger das GRÜNE BAND durchtrennt wird, desto mehr Chance haben die wandernden Wildtiere, ihre Gene auszutauschen und überlebensfähige Populationen zu bilden.

Autoren: Friedrich Völk & Viktoria Reiss-Enz.

Die großen zusammenhängenden Waldgebiete vom Böhmerwald übers Mühl- und Waldviertel bis zum Weinviertel, von der Steirisch-slowenischen bis zur Kärntner-slowenischen Grenze zählen zu den wichtigen Lebensräumen von Großsäugern. Für die großräumig lebenden Wildtiere birgt die zunehmende Verkehrsdichte auf immer mehr, oft unüberwindlichen Verkehrsachsen große Gefahren. Ohne Zusammenarbeit über Grundeigentums- und Ländergrenzen hinaus bestehen wenige Chancen auf eine Änderung. Auch der Kompetenzdschungel in Österreich zwischen Bund (Umwelt, Forst, Wasser und Verkehr, z. B. Eisenbahn, Autobahnen, Wasserstraßen), Ländern (z. B. Raumplanung, Jagd, Naturschutz, Landesstraßen) und Gemeinden (örtliche Raumplanung) stellt bisweilen hohe Anforderungen an eine solche Kooperation. Das gilt besonders für die Absicherung überregionaler und europaweiter sog. Genfluss-Korridore.

Gefahr für das GRÜNE BAND besteht im Osten Österreichs, denn hier sollen die Straßenanbindungen jetzt rasch geplant und errichtet werden. Entlang der March muss man sich wegen der wandernden Großsäuger keine allzu großen Sorgen machen, da dort ohnehin Brücken gebaut werden müssen, die auch das Überschwemmungsgebiet überspannen.

Erfreulich ist jedoch, dass die ASFINAG ihren Beitrag zur Schaffung von Grünbrücken heute "übererfüllt". Zahlreiche Beispiele zeugen davon, etwa die Grünbrücke in Vils bei Reutte oder der Bärentunnel an der A2 bei Arnoldstein. Weniger erfreulich ist das Verhalten der ÖBB-Manager, die eher minimalistisch an die Thematik herangehen und bei einzelnen Projekten sogar bereits geplante Grünbrücken wieder herausreklamieren. Als wirklich besorgniserregend muss man die Einstellung mancher Raumplanungsabteilungen der Länder einstufen (z.B. Salzburg), weil sie nichts gegen eine weitere Zerstückelung der Landschaft unternehmen.

Problem: Lebensraumzerschneidung in Österreich
Durch wachsende Siedlungen, durch Widmung von Betriebsgebieten und den Ausbau des übergeordneten Verkehrsnetzes drohen die Lebensräume von Wildtieren zunehmend, aber meist unbemerkt zu verinseln. Eine österreichweite Studie des Verkehrsministeriums BMVIT von 2001 zeigt die Barrierewirkung des Autobahn- und Schnellstraßennetzes. Wesentlicher Bestandteil der Ergebnisse ist eine Zusammenstellung sämtlicher international bedeutsamer Genfluss-Korridore für Großwildarten durch Österreich.

Die Zerschneidung der Wildkorridore spielt sich meist außerhalb der Kerngebiete der großräumig lebenden Wildtiere ab, sodass die Betreuer größerer zusammenhängender Waldgebiete keinen direkten Einfluss darauf nehmen können. Auch die an den großen Säugetierarten stark interessierten Naturschutz- und Jagdorganisationen haben auf entscheidende Dinge wie Flächenwidmung und Verkehrsplanung meist nur im Rahmen einzelner Projekte begrenzten Einfluss.

Was noch fehlt, ist eine wechselseitige Abstimmung bei allen relevanten Planungen und Nutzungen. Wünschenswert wäre eine bundesweite Plattform, die die interdisziplinäre Koordination verbessert und die Planungsinstrumente (z. B. Raumplanung) sowie die Planungsprozesse optimiert. Bei den Straßenplanern lässt sich große Offenheit für das Anliegen [...]

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Serie: Rückkehr der Wildtiere
Keine Angst vor Teddy

Der Braunbär (Ursus arctos) Linnaeus 1758
Mammalia (Säugetiere)
Carnivora (Raubtiere)
Familie Ursidae (Großbären)
Gattung Ursus (Bär)
Art Ursus arctos (Braunbär)

Autoren: Dr. Robert Hofrichter und Elke Berger

Tausende Braunbären in Europa sind ein Faktum. Sie breiten sich aus und kehren allmählich auch in die westeuropäischen Länder zurück: Ein Gesinnungswandel der Menschen, entsprechende nationale und internationale Schutzmaßnahmen, der Zuwachs an Waldfläche und der Anstieg der Wildbestände kommen Meister Petz zugute.

Die Mehrheit der Bären Europas lebt in den rumänischen Karpaten, die Österreich nächstgelegene größere Population in der Slowakei. Bären sind in den meisten Ländern Europas streng geschützt (Berner Konvention, Anhang II, CITES, Anhang II, Fauna-Flora-Habitatrichtlinie, Anhang II und andere). In einigen Ländern gibt es eine kontrollierte Bejagung, Einzelabschüsse dürfen nur mit einer Sondergenehmigung erfolgen. Die "alten Europäer" sind im Vergleich zu den Nordamerikanern im Vorteil: Unser Braunbär ist als Allesfresser und Sammler bei weitem nicht annähernd so aggressiv wie der größere nordamerikanische Grizzly, der wenig Scheu vor dem Menschen zeigt.

Seit jeher neigt der Mensch dazu, in Kategorien zu denken. Dies gilt nicht zuletzt für die Einteilung in gut und böse, mit der nicht nur Zweibeinern, sondern auch Vierbeinern ein Stempel aufgedrückt wurde. Die guten Tiere wie Reh und Hase waren immer schon jene, die man essen konnte – und die selbst andere nicht fressen. Der kaum genießbare Fuchs, Wolf oder Luchs war hingegen böse. Nicht genug damit, dass sie schlecht schmecken (das trifft auf Bären nicht vorbehaltlos zu: Mit Ausnahme der Milz galt ihr Fleisch als genießbar und wurde besonders im Herbst sehr gerne gegessen), diese Arten erlaubten es sich sogar, andere Tiere zu erbeuten, Tiere, die Menschen gerne für ihren Tisch allein aufsparen wollten. Solchermaßen vorverurteilt, ist es schwer, eine positive Stimmung und Akzeptanz für Raubtiere aufzubauen, eine Gegebenheit, die sich ihrer Wiedereinbürgerung bis heute immer wieder in den Weg stellt. In vielen Ländern Europas und auch bereits in Österreich gibt es mittlerweile ausreichend Erfahrungen zum Management von Bärenschäden.

Bärenhunger
Ist unser Braunbär aber überhaupt ein richtiges Raubtier, bei der sprichwörtlichen Vorliebe für Beeren (verblüffende Namensgleichheit mit dem Konsumenten...) und Honig (dabei graben sie Nester von Wildbienen aus, und nicht nur diese...). Wenn er keine ausreichende Nahrung findet, weidet dieses "Raubtier" wie Rinder Gras ab. Was die zoologische Zugehörigkeit betrifft, bestehen dennoch keine Zweifel: Der Bär ist ein Raubtier (Carnivora) und innerhalb dieser Säugetierordnung zählt er zur Familie Ursidae (Großbären). Die insgesamt sieben Arten und vielen Unterarten der Familie leben mit Ausnahme des südamerikanischen Brillenbären durchwegs auf der Nordhalbkugel.

ALLESFRESSER. Der Magen-Darmtrakt des Braunbären ist ganz eindeutig jener eines Carnivoren. Raubtiere lesen jedoch selten in unseren systematischen Zuordnungsbüchern und ernähren sich ziemlich opportunistisch. Es wäre sicher einfacher aufzuzählen, was sie nicht fressen. Für den Laien ist es überraschend, aber nur wenige Familien der Carnivora fressen ausschließlich Fleisch, wie etwa die Katzen (Felidae). Die meisten anderen Carnivoren sind jedoch omnivor (Allesfresser). Bleiben wir bei Bären: Sie fressen bis zu 12 kg pro Tag, davon bis zu 80 % Pflanzliches - Beeren und Honig, Früchte, Samen, Wurzeln, Knollen, junge und saftige Kräuter, Gräser und Triebe, aber auch Insekten (viele Ameisen und Wespen) und Wirbellose jeder Art sowie saftige Würmer und Raupen. Auch Aas verschmähen sie nicht. Natürlich schmecken ihnen Wirbeltiere, Fische, Lurche Kriechtiere, Vögel und deren Eier - nicht nur für Bären eine willkommene Delikatesse. Dann erst kommen die Säugetiere, aber von ihnen stehen meist auch eher die kleineren auf dem Speiseplan - eine Maus zählt durchaus zu den Delikatessen. Große Säuger, wie Elche, Hirsche, Rinder oder Schafe reißen Bären jedoch selten. Man kann somit nicht einmal behaupten, dass sie ihrer Zugehörigkeit zu den Raubtieren, also Carnivoren, alle Ehre machen. Ihr Gebiss mit den fast völlig abgeflachten Backenzähnen, das sich von jenem aller anderen Raubtiere unterscheidet, weist sie als Allesfresser aus.

WINTERRUHE. Selbst damit sind aber die Ernährungsgewohnheiten des Bären noch lange nicht erschöpfend abgehandelt. Wie Friederike Spitzenberger in ihrem Buch "Säugetiere in Österreich" berichtet, wurden bei den niederösterreichischen Tieren in den Kotproben überwiegend Pellets und andere Wildfuttermittel, Getreide und Äpfel gefunden. Auch vergriffen sich die Tiere an Kanistern mit Rapsöl, welches eigentlich für Kettensägen bestimmt war. Anscheinend reichen in den steirisch-niederösterreichischen Hochalpen die natürlichen Nahrungsressourcen nicht aus, um eine überlebensfähige Bärenpopulation zu erhalten. Zu einem interessanten Ergebnis bei der Nahrungsanalyse der Bären kamen Wissenschafter in Kärnten, als sie zwischen 1992 und 1995 mehr als 60 Losungsproben untersuchten. Im Kot wurden ein Drittel Wirbeltiere, darunter Fische, Amphibien, Reptilien und Säuger (alles zwischen Maus, Hausrind und Rothirsch) nachgewiesen, 22 % Insekten, ein Drittel diverse Pflanzenteile sowie 13 % Beeren und Früchte. Letztere helfen ihm im Herbst, sich eine entsprechende Fettschicht anzufressen, die sein Überleben während der Winterruhe absichert. Im Gegensatz zum weit verbreiteten Irrglauben handelt es sich dabei physiologisch nicht um Winterschlaf, denn unter den Großsäugern gibt es keine echten Winterschläfer (wie übrigens auch unter den sehr kleinen Säugetieren nicht). Die Körpertemperatur der Bären sinkt während der Winterruhe nicht wesentlich ab. Sie können jederzeit schnell wieder aktiv werden. Wissenschaftler haben errechnet, dass der Bär als "echter Winterschläfer" mit seiner großen Masse ein bis zwei Tage benötigen würde, um von der Winterschlaftemperatur von 5° C auf die normale Körpertemperatur von 37° C zu gelangen. Das wäre uneffektiv und würde zudem viel Stoffwechselenergie kosten.

FETTSCHICHT SICHERT NACHKOMMEN. Bei einer detaillierten Untersuchung (Aste, 1993) über geeignete Bärenhabitate stellte man fest, dass forstliches Zurückdrängen der Rotbuche, überhöhte Waldbestockung und ein überhöhter Bestand an Schalenwild, das wichtige Bärennahrungspflanzen frisst, zu einem geringeren Nahrungsangebot für Bären führen. Das Angebot an Waldfrüchten und Beeren gilt als minimierender Faktor für die Populationsdichte, da Bären sich die erforderliche Winterfeiste in erster Linie mit Früchten und Beeren anfressen - und das mindestens zwölf Stunden am Tag. Die angefressene Fettschicht dient dabei nicht nur zum Überwintern, sondern hat auch Einfluss auf die Fortpflanzungsrate und den Fortpflanzungserfolg.

Vom Teufel zum Teddy
Auf der Nordhalbkugel war er immer schon die königlichste, mächtigste Kreatur des tierischen Olymps. Solange der Löwe in unseren Breiten noch nicht bekannt war, erfüllte allein der Bär die Rolle des Königs der Tiere. Bei den Völkern Eurasiens, einschließlich den Nahen Ostens, und Nordamerikas wurde er zu einem Sinnbild der Kraft und der Macht. Schon seit der Altsteinzeit war er Gegenstand eines regelrechten Bärenkultes. Er ist tausendfach in Fabeln, Mythen und Märchen verewigt. In seiner "Volkstümlichkeit" ist Meister Petz von kaum einer anderen Tierart zu übertreffen.

In der späteren Überlieferung vieler eurasischer Völker schlüpfte der Bär in recht gutmütige Rollen, eine Entwicklung, die über unzählige Märchen letztlich in der Geburt des Teddybären gipfelte. Manche sahen ihn [...]

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Gefährdet
Der Braunbär in Österreich 2005

Autor: Mag. Jens Laass, Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft, BOKU Wien

Vor 121 Jahren ausgerottet, ist mit dem so genannten "Ötscherbären" vor 33 Jahren wieder ein Bär dauerhaft nach Österreich zurückgekommen. Vor 16 Jahren wurde der erste von insgesamt drei Bären aus Slowenien in das niederösterreichisch-steirische Grenzgebiet umgesiedelt.

Die Bären haben sich in Österreich eingelebt. Es steht ihnen viel geeigneter Lebensraum zur Verfügung. Vor allem der österreichische Zentralraum mit den nördlichen Kalkalpen und den niederen Tauern sowie das Grenzgebiet zu Slowenien bieten gutes Bärenhabitat. Dies zeigt sich auch darin, dass in den nördlichen Kalkalpen seit 1991 27 Jungtiere dokumentiert werden konnten - eine sehr hohe Fortpflanzungsrate für Bären. Dennoch wird der Bestand in diesem Gebiet nun schon seit einigen Jahren auf 10-20 Tiere geschätzt. In einer aktuellen Studie konnten mittels DNA-Proben aus gefundenen Haaren und Losungsproben sogar nur 13 Individuen nachgewiesen werden. Es stellt sich also die Frage, wo all die Jungtiere geblieben sind.

Sind wirklich nur so wenige Bären da, oder bemerkt man sie einfach nicht?
Braunbären sind nicht so heimliche oder scheue Tiere wie Luchs und Wolf, deren Anwesenheit oft sehr lange unbemerkt bleibt. Umgedrehte Steine, zerlegte Ameisenhaufen, die charakteristische Fährte oder einzelne zerstörte Bienenstöcke fallen schon auf. Über einen Bären im Gebiet wird einfach gesprochen. Und schließlich verfolgen ja auch noch die Bärenanwälte die Spuren der Bären. Sie gehen allen bekannten Hinweisen auf die Anwesenheit von Bären nach, sammeln Proben für genetische Untersuchungen, begutachten eventuelle Schäden und helfen bei der Abwicklung der Entschädigung. So ist die Wahrscheinlichkeit recht gering, dass Bären länger unentdeckt bleiben, auch wenn sie weit abwandern. Selbst der Bär, der letzten Sommer aus dem Trentino kommend zuerst in die Schweiz und dann nach Tirol gewandert ist, wurde sehr schnell bemerkt und den Bärenanwälten gemeldet (siehe Kasten). Die andere Erklärungsmöglichkeit ist eine erhöhte natürliche oder menschlich beeinflusste Sterblichkeit. Für eine erhöhte natürliche Sterblichkeit durch Krankheiten oder Unfälle gibt es ein eigentlich keine Anzeichen. Aber auch für eine hohe menschlich beeinflusste Mortalität, wie durch Kollisionen mit Autos oder illegale Tötungen gibt es keine Hinweise. Aber gerade derartig umgekommene Tiere sind kaum zu finden und zu belegen. Somit ließ sich die für das österreichische Bärenmanagement wesentlichste Frage nach dem Verbleib der nicht mehr nachegwiesen Bären bisher nicht klären.

SICHER IST JEDOCH, dass die Landschaftszerschneidung in unserem Land ein Problem für die Bären darstellt. Es gibt für sie zwar noch genügend Lebensraum, doch ist dieser oft durch dicht besiedelte Täler, Bahnlinien und Autobahnen zerschnitten. So hat schon seit Jahren kein Bär mehr das geschafft, was der berühmte Ötscherbär vollbracht hat - von Slowenien in das niederösterreichisch-steirischen Grenzgebiet zu wandern. Es sind wohl einige Bären aus Slowenien nach Kärnten eingewandert - zur Zeit wird der Kärntner Bestand auf circa acht Tiere geschätzt doch weiter nach Norden sind sie nicht mehr vorgedrungen. Die Lebensraum-Wiedervernetzung war deshalb ein wichtiger Punkt des letzten LIFE-Bärenprojekts (2002-2005) des WWF, das von Bund und Ländern unterstützt wurde. Die neue Grünbrücke an der A8 bei Arnoldstein - ebenfalls finanziert durch EU, Bund und Ländern – ist als ein erster wichtiger Schritt zu sehen. Weitere Schritte zur Habitatvernetzung sollen gemeinsam mit der ASFINAG folgen.

Ein weiterer wichtiger Punkt des Projekts war die Überarbeitung des Managementplans für den Umgang mit Bären in Österreich. Diese erfolgte in Kooperation von zuständigen Behörden, WWF, dem Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft an der BOKU und betroffenen Interessensgruppen. Der Managementplan beinhaltet Leitlinien für den österreichweit einheitlichen Umgang mit Konfliktsituationen ebenso wie ein klares Bekenntnis zur aktiven und objektiven Öffentlichkeitsarbeit. So soll der Schutz aber auch die Akzeptanz des Bären verbessert werden. Ob dies allerdings ausreicht, um den kleinen und möglicherweise schrumpfenden österreichischen Bärenbestand zu sichern, ist ungewiss.

Der Braunbär in Österreich III
Aktueller Status, Lebensraum und Perspektiven für die Zukunft. Georg Rauer, Jens Laass, Beate Striebel. Umweltbundesamt (Hrsg.) 2006, Bestelladresse: Umweltbundesamt, Spittelauer Lände 5, 1090 Wien, T +43/(0)1/3 13 04, publikationen@umweltbundesamt.

Bärenanwälte
Das Wissen über die Verbreitung der Bären ist wesentlich für ihre Erhaltung in Österreich - wenn Sie Hinweise auf die Anwesenheit von Bären haben - melden Sie diese bitte einem der Bärenanwälte:

Bärenanwalt Ost für Niederösterreich und nordöstliche Steiermark
Dr. Georg Rauer
0676 / 83 48 86 00
georg.rauer@baer.wwf.at

Bärenanwalt für Kärnten
Mag. Bernhard Gutleb
0650 / 941 98 33
bernhard.gutleb@ktn.gv.at

Bärenanwalt West für Oberösterreich, Salzburg, Tirol und westliche Steiermark
Walter Wagner
0664 / 989 48 57
walter.wagner@bundesforste.at



Bär im Trentino
Am 4. November 2005 wurde bei Preore südwestlich von Trento (Italien) ein junger Bär von einem Auto angefahren. Das Tier brach unvermittelt aus dem Wald auf die Strasse, so dass die Lenkerin nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte. Diese blieb unverletzt, der Bär anscheinend auch, denn er stand nach dem Zusammenstoss von selbst wieder auf und verschwand im Wald. Eine Nachsuche mit Hunden zeigte, dass er sich durch einen sehr steilen Hang aufwärts verzogen hatte. Es fanden sich keine Blutspuren. Kurz danach zeigte sich in unmittelbarer Nähe des Unfallortes erneut ein Bär beim Queren einer Strasse.

Der Unfallort liegt am südlichen Rand des Kerngebiets der Trentiner Bärenpopulation. Der Bär ist nicht der erste aus dem Trentiner Wiederansiedlungsprojekt, der von einem Auto angefahren wurde. Dasselbe passierte im August 2001 dem Weibchen Vida. Die aus Slowenien stammende Bärin war im Mai zuvor im Gebiet des Naturparks Adamello-Brenta ausgesetzt worden. Kurz danach wanderte sie ab. Beim Versuch, zwischen Bolzano und Trento über die Brennerautobahn zu gelangen, wurde sie von einem Auto angefahren. Der Fahrer kam mit dem Schrecken davon. Vida konnte die Fahrbahn noch verlassen, blieb dann aber in der Nähe unter Schock liegen. Alarmierte Mitarbeiter des Naturparks fuhren umgehend zur Unfallstelle. Die veterinärmedizinische Untersuchung ergab, dass sie einen Knochenbruch an der linken Vorderpfote erlitten hatte.

In der Folge wurde die Bärin kurzzeitig in ein Gehege gebracht und danach wieder freigelassen. Sechs Wochen nach dem Unfall machte sich Vida erneut auf Wanderschaft. Im Frühling 2002 verstummte ihr Halsbandsender. Zu dieser Zeit hielt sich die Bärin im Gebiet des Nationalparks Hohe Tauern in Österreich auf.

Quelle: www.kora.unibe.ch, www.provincia.tn.it/foreste/orso > novità



Frankreich will Braunbären freilassen
Auffrischung der Gene nötig
Die französische Regierung macht Ernst mit dem Schutz des Bären in den Pyrenäen. Zur Verstärkung der u.a. von Inzucht bedrohten Population sollen in den kommenden Monaten vier Bärinnen und ein männlicher Petz aus Slowenien freigelassen werden. Die Umsiedlungen bilden Teil des "Plan de restauration et de conservation de l`ours brun dans les Pyrénées françaises 2006 - 2009". Noch 1950 hatten um die 70 Bären die Pyrenäen bevölkert. Anfang der 1990er-Jahre waren es nur mehr sieben bis acht Stück. Heute zählt die Pyrenäenpopulation wieder 14-18 Tiere, allerdings ist eine Genauffrischung dringend nötig.
Weitere Informationen unter www.kora.unibe.ch/main.htm?news.







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